KABAWIL e.V.

Beim Tanz fühle ich mich frei

Kabawil: Der Düsseldorfer Verein steckt mit seinem neuen Tanztheaterprojekt mitten in den Proben. Im August ist Premiere
Stimmengewirr. Jugendliche in weiten Hosen und Turnschuhen stehen vor einer riesigen Spiegelwand. Einige unterhalten sich, andere über konzentriert ihre Schritte, wieder andere rempeln sich an. Lachen. Mittendrin Canan. Die 16-Jährige liegt bewegungslos auf dem Boden. Dann setzt die Musik ein. Aus den Boxen dröhnt HipHop. Canan beginnt sich zu räkeln, bewegt sich wie eine Schlange zu den Klängen der Musik. Links und rechts stehen rund 20 Mädchen und Jungen, setzen sich ebenfalls in Bewegung, tanzen lässig, erst einzeln für sich, jeder in seinem eigenen Stil, später zusammen in der Gruppe. Alles unter den kritischen Augen von Othello Johns.

Der Tänzer und Choreograf probt mit den Jugendlichen für ein Tanztheaterstück. Bei einer Audition Anfang des Jahres im Zakk haben sich die Jugendlichen beworben und sind ausgewählt worden. „Sankofa”, so der Arbeitstitel, soll Anfang August im FFT Juta aufgeführt werden. Es ist nach „hungryfeet.de” und „Die dunkle Seite der Sonne” das dritte Stück, das Kabawil auf die Beine stellt. Seit 2003 realisiert der Düsseldorfer Verein verschiedene Kulturprojekte für Jugendliche mit unterschiedlichsten Nationalitäten und Biografien.

Der Sankofa-Vogel ist in der afrikanischen Welt ein Symbol für das Lernen aus der Vergangenheit für eine bessere Zukunft. In dem Stück geht es um eine afrodeutsche Liebesgeschichte, um Heimat, versteckte Vorurteile, Rassismus. Themen, die den Jugendlichen nicht fremd sind. 15 Herkunftsländer sind in dem projekt vereint. Damit die Geschichte authentisch bleibt, wird der Autor Hermann Mensing mit den Jugendlichen eine Workshop veranstalten und sie in die Dialoge und Szenen mit einbinden. Auch das Bühnenbild gestalten die Jugendlichen mit.

Überhaupt geht es Kabawil um viel mehr als Tanz und Theater. „Wir wollen den Jugendlichen Respekt und Toleranz, aber auch Kontinuität, Disziplin und Geduld vermitteln. Es wird ihnen hier viel abverlangt”, sagt Petra Kron, Kulturpädagogin und Gründungsmitglied von Kabawil. Pünktlich zum Training zu erscheinen, Verabredungen einzuhalten, das ist nicht für jeden der Jugendlichen selbstverständlich. „Sie sollen lernen, sich auf der Bühne, aber auch ein Stück weit im Leben zu positionieren”. Jedes Wochenende Training, auch bei schönem Wetter, auch in den Ferien.

Das macht Yassin nichts aus. Der 13-Jährige ist der jüngste Teilnehmer. „Das Projekt ist cool. Ich will zeigen, was ich drauf habe”. Yassin bedeutet das Tanzen viel. Er macht Breakdance, geht mit seiner Crew auf Battles, experimentiert gerne mit seinem Körper. “Beim Tanzen fühle ich mich frei, das ist ein schönes Gefühl”.
Kristina Kunze, Westdeutsche Zeitung, April 2007

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